Bei meiner stundenlangen Recherche nach einer guten Prepaid-Kreditkarte ist mir ein besonderes Angebot aufgefallen: Wirecard. Zum einen ist keine Jahresgebühr fällig, sondern nur 1 Euro pro Aufladung. Lädt man also etwas mehr drauf, so sind die Kosten vernachlässigbar gering. Desweiteren gibt es in größeren Städten Ladengeschäfte, in denen man Bargeld einzahlen kann, wenn es mal ganz schnell gehen soll.

Also registriere ich mich bei Wirecard. Bis zu einer Nutzung von jährlichen 2500€ ist zur Identifikation lediglich eine Handynummer nötig, an die per SMS eine Prüfnummer gesendet wird. Braucht man mehr, kann man mit Ausweisdokument auch kostenlos zu Wirecard-Plus wechseln und unbegrenzt hantieren.

Das Webfrontend bietet wenig Überraschungen und ist übersichtlich gestaltet. Meine Kreditkartennummer wird erst angezeigt, sobald ein Guthaben aufgeladen wird. Da ich mit meinen Paypal-Abos schon tüchtig in Verzug bin, nutze ich doch gern das gute Wetter und versuche mal, mein Wirecard-Konto mit Bargeld aufzuladen.

Ich klicke auf die Karte, die mir alle Einzahlstationen im Umkreis anzeigen soll. Georgplatz, Lavesstr., alles hier in der Nähe. Also ab aufs Bike und losgedüst. Erste Ernüchterung am Georgplatz: Hier sitzt unter der angegebenen Adresse nur eine Anwaltskanzlei. Mit meinem Anliegen, hier eine Prepaidkarte aufladen zu wollen, komme ich mir reichlich albern vor :-D .
Zweiter Anlauf: Lavesstr. Ein vermutlich bereits seit längerem geschlossener Kiosk hat zumindest schonmal das Wirecard-Emblem auf der Schaufensterscheibe. Nunja. Dank iPhone suche ich noch eine weitere Aufladestelle an der Lutherkirche auf. Tja, die angegebene Hausnummer existiert leider gar nicht. Was mache ich hier?!
Aber weil das Wetter so schön ist, und ich unglaublich hartnäckig bin, fahre ich auch noch weiter zur Davenstester Str. am Stadtrand, um noch einen vierten Laden zu versuchen.

Ich lande im Industriegebiet bei einer Telefon & DSL Butze namens Telespiegel. Ein freundlicher und zuvorkommender Mitarbeiter bittet mich nach Betätigen des Klingelknopfes im Hinterhofeingang herein und holt ein kleines Terminal hervor.

Es kommen gelegentlich Kunden zum Aufladen vorbei, aber eigentlich nur, um mit dem Wirecardguthaben direkt online einzukaufen, und auf diesem Wege einen Rabatt zu bekommen. Als Kreditkartenersatz wäre ich wohl der erste. Als die Aufladung von 52 Testeuros nach dem 5. Versuch klappt, bin ich doch sehr gespannt, ob ich meine Kohle gleich als Guthaben auf dem Monitor erblicken darf.

Und tatsächlich, stolze 51 Euro finde ich vor, und auch meine heißersehnte Kreditkartennummer inkl. Prüfziffer steht auf dem Monitor. Paypal nimmt die Nummer problemlos an, und ich bin endlich am Ziel angelangt.

Ein eigenartiges Gefühl beschleicht mich schon, hier nur durch ein simples Kennwort geschützt mein Geld zugänglich zu sehen. Anständige (=Angestellte) Bürger brauchen so etwas ja auch nicht nutzen ;-) . Und Leute wie ich werden wohl nicht übermäßig viel Geld hier lagern.